REVIEW: L3Harris PVS-31

Das Standard-Nachtsichtgerät von vielen Special Forces ist zur Zeit ist das AN/PVS-31 von L3 Harris aus den USA.Wir hatten die Möglichkeit eines im Detail zu begutachten und wollen unsere Erfahrungen natürlich mit euch teilen. Das Video dazu könnt ihr Euch oben im Aufmacher anschauen.

Da liegt es in seiner ganzen Pracht. Rund 10,5 x 10,5 x 8,5 cm klein und 490g leicht mit AA-Batterie, die zum Betrieb benötigt wird. Ein kleines Kraftpaket, wenn man so will. Die Handhabung ist ähnlich zu anderen Geräten. Zum Aktivieren muss der Drehschalter über dem Batteriefach gedrückt (nicht gedreht) werden und schon geht das Gerät an.

Die Bezeichnung AN/PVS-31 BNVD ist, wie für Amerika üblich, eine einzige Abkürzungsorgie. Der Teil „AN/PVS“ bedeutet nach der Armee-Norm „Joint Electronics Type Designation System (JDETS)“ Army Navy/Portable Visual Search. Das BNVD steht für „Binocular Night Vision Device“ also in etwa „beidäugiges Nachtsichtgerät“.

Die äußeren Werte

Das AN/PVS-31 in seinem natürlichen Habitat, am Helm. Zum Einschalten das Gleiche wiederholen. Mit dem Drehschalter kann dann im Betrieb der „Gain“, also die Helligkeit, eingestellt werden. Simpel und praktisch.

Befestigt wird das AN/PVS-31 mittels Dovetail am Rhino, der in der Shroud eingesetzt wird, die am Halm angeschraubt ist. Wir haben es mit einigen NVG-Armen probiert (u.a. Wilcox und Nortons) und bei allen hat es einwandfrei gehalten. Das Gerät ist auch Wasserdicht bis 20m für eine Stunde. Wahrscheinlich auch länger, aber dafür wird nicht garantiert.

Die beiden Röhren können beim AN/PVS-31 individuell zur Seite geklappt werden. So wird auch der passende Augenabstand eingestellt.

Um diesen nicht jedesmal aufs neue einstellen zu müssen, gibt es je Seite ein Stellschraube mit der die Neigung der Röhren begrenzt werden kann.

Was nie fehlen darf, sind die Ösen um die Helmbungees einzuhängen. Zum Einen dienen sie als Verlustsicherung, zum Anderen wird dadurch der ganze Befestigungsarm unter Spannung gehalten und das Nachtsichtgerät lässt sich besser justieren.

Was im Vergleich mit Nachtsichtgeräten wie dem PVS-14 oder Mini-14 auffällt, ist das Fehlen eines einstellbaren Dioptrienausgleichs am Okular. Dieser ist beim AN/PVS-31 fix ausgeführt. Das hat den großen Vorteil, dass damit Gewicht und Baulänge eingespart wird.

Das AN/PVS-31 wirkt sehr kompakt. Zum Vergleich, ein PVS-14 ist um einen Zentimeter länger.

Links im Bild das Objetiv des AN/PVS-31, rechts daneben das der Bauart PVS-14. Hier und auch auf den anderen Fotos erkennt man sehr gut, dass sich bei der Linse auch einiges verändert hat. Die Fokusierung vorne am Gerät erfolgt auch immer noch über händisches Drehen, aber die Randschärfe ist beim AN/PVS-31 im Vergleich zum alten 14er unschlagbar. Das fällt vor allem in der Bewegung auf. Die Sicht durch das Nachtsichtgerät wirkt ganz natürlich, bis auf das Fehlen von Farbe, versteht sich.

Das Batteriefach ist geschraubt und mit einem O-Ring versehen. Die Lithium AA-Batterie kommt mit dem Pluspol nach vorne rein und liefert 15 Stunden Laufleistung. Das ist schon sehr beachtlich. Bei einer normalen Alkaliebatterie kommt ihr auf eine Laufleistung von rund 10 Stunden. Die Außentemperatur spielt dabei mit.

Wer mehr Power braucht, für den gibt es das PVS-31 Battery Pack – HIER bei uns im SPARTANAT Review. Damit habt ihr dann für bis zu 50 Stunden Saft. Aber wer braucht das schon? Die arktischen Winternächte: da garantiert der Battery Pack die Energieversorgung, wenn die Batterien extrem gefordert sind.

Die inneren Werte

So viel zu den äußeren Werten des AN/PVS-31. Das wirklich Spannende bei jedem Nachtsichtgerät ist aber die Bildverstärkerröhre im Inneren. Die macht auch den Großteil der Kosten bei einem Nachtsichtgerät aus. Wer hier spart, darf sich später nicht über ein schlechtes Bild aufregen. In unserem AN/PVS-31 ist eine L3 Gen3 unfilmed Röhre mit weißem Phosphor verbaut mit über 2000 FOM. Kurz gesagt, eine der aktuellsten Bildverstärkerröhren für Spezialkräfte.

Einen Menschen erkennt man in dieser sternklaren Neumonnacht auf 60 m locker. Noch besser, wenn er sein IR-Blicklicht aktiviert. Das Bild war in echt noch viel schärfer als hier im Foto. Erkennbar ist auch das leichte Wabenmuster an den Rändern. Das Muster kommt von der Mikrokanalplatte, welche die Elektronen im Gerät vervielfacht.

Auch mit dem IR-Laser hantieren setzt in einem irgendwie das innere Kind frei. Jedesmal eine Freude. Wo das Gerät auch bemerkenswert ist, war beim Wechsel von hellen auf dunkle Verhältnisse und umgekehrt. Das Bild blieb immer gut erkennbar und man war nie geblendet.

Auch sehr schön ist es immer mit einem Nachtsichtgerät in den Himmel zu starren. So viele Sterne – und mittendrin ein Komet. NEOWISE wird in Knapp 4.500 Jahren wieder mal vorbeischauen, hoffentlich gibt es da noch Nachtsichtgeräte.

Die vorherigen Bilder waren alle ohne künstliche Beleuchtung. Wenn eine Straßenlaterne euch noch etwas (Rest-)Licht spendet, wirkt es durch das AN/PVS-31 so als würde ein riesiger Scheinwerfer hinter euch leuchten. Für das freie Auge war dieser Blick vorher nur schwarz. Mit dem 31er ist es Tag geworden.

Im Wald ist auch alles schön hell, aber etwas zu erkennen wird schon schwieriger. Durch Streulicht kommt es zu einem Schattenwurf und wegen der Bauweise eines Nachtsichtgeräts ist immer nur eine Bildebene scharf. Hier sind es die Blätter im Vordergrund, während der Hintergrund unscharf wird. Das macht das Bewegen mit einem Nachtsichtgerät im Wald oder auch  beim CQB so gewöhnungsbedürftig.

Weißt die Umgebung helle und dunkle Stellen auf, kann die Sicht etwas schlechter werden. Ein Klassiker ist – so wie hier – der vermeintlich helle Himmel und der aus dem Wald kommende Weg. Das AN/PVS-31 mit seinen Gen3 Röhren meistert diese Herausfoderung aber tadellos. Alles ist gut erkennbar.

Im ganz finsteren Wald trennt sich die Spreu vom Weizen. An diesem Wegstück war es so finster, dass man überhaupt nichts sieht, aber mit dem AN/PVS-31 habt ihr zwar ein rauschendes, aber doch sehr helles und gutes Bild. Generation 1 Röhren sind hier ohne IR-Strahler vollkommen blind.

In Räumen ist die Wahrnehmung mit Nachtsichtgeräte immer sehr speziell. Zum Einen liegt es da am Sichtfeld von nur 40° und zum Anderen ist es meist wenig Restlicht vorhanden. Da wirkt das Licht vom Türspalt so, als würde direkt dahinter eine Sonne sein. Mehr Bilder gibt es im „Hot Summer Special“

Das Handling

Mit einem hochwertigen Nachtsichtgerät ist die Nacht fast heller als der Tag. Nur damit das Hantieren keinen Frust aufkommen lässt, muss es simpel in der Bedienung sein. Dieses Kriterium erfüllt das AN/PVS-31 auf jeden Fall.

Das Ein- und Ausschalten ist simpel, das Fokusieren ebenso. Auch sehr praktisch sind die wegrotierbaren Röhren. Dadurch kann man schnell einen Blick mit normalen Augen in die Umgebung werfen, ohne dass die ganze Apparatur hochgeklappt werden muss.

Aber auch beim Hochklappen ist das Rotieren praktisch. So können die Röhren des AN/PVS-31 sehr nahe am Helm angelegt werden, was den Schwerpunkt nahe zum Kopf bringt und das Tragegefühl wesentlich bequemer ausfallen lässt.

Bei einem Nachtsichtgerät haben Bikinis immer Saison. Bikinicovers sorgen für den nötigen Schutz der Linsen, wenn das AN/PVS-31 nicht getragen und in der Tasche verstaut wird.

Sie sind einfach zu montieren – siehe hinten auf der Röhre – und ebenso so schnell wieder abgenommen. Nebenbei bedeuten sie auch nur eine geringe Gewichtszunahme, also die Bikinifigur hält.

Das AN/PVS-31 lässt sich, wie schon vorher beschrieben, einfach perfekt an das Sichtfeld anpassen. Natürlich muss der Nachsichtarm auch seinen Teil dazu beitragen. Egal ob Norotos, Wilcox oder Cadex, hier sollte man nicht sparen – nur originales Zubehör verwenden.

Ja, es leuchtet an den Augen. Das kriegt der Profi entweder mit Gummicups weg oder mit Amberfilter. Damit keiner die Ghosts in der Nacht kommen sieht.

Damit die Nachtsicht nicht plötzlich ausgeht und ihr wirklich im Dunkeln steht, empfiehlt es sich vor jedem Einsatz frische Batterien einzulegen und auch immer genug Batterien mitzunehmen. Das PVS-31 Battery Pack – HIER bei uns im Review – sorgt für tagelangen Saft und ist auch gleichzeitig ein gutes Gegengewicht. HIER gibt es gute Tipps, wie man es nicht verliert. 

Das Kabel ist ausreichen lang und sollte besser verlegt werden, als bei uns im Bild. Egal ob Tanktape oder spezialisierte Kabelschläuche, Hauptsache das Risiko, damit irgendwo hängen zu bleiben, wird minimiert.

I’ve got the power,“ 50 Stunden beste Nachtsicht. Damit gibt es eine ganze Woche „Party with lights out“ in lauen Sommernächten.

HIER geht es zum SPARTANAT Video über das AN/PVS-31. 

FAZIT: Wir verstehen, warum sich die Spezialkräfte aller Herren Länder für das AN/PVS-31 entscheiden. Es ist ein solides, kompaktes Gerät und seinen High-end-Röhren bleibt euch kaum etwas verborgen. Auch die neue Generation Linsen, die verbaut sind, erhöhen die Bildqualität ungemein. Wer mehr Tipps aus der Praxis haben will: Grand Thumb erklärt euch „Kämpfen mit Nachtsicht“.

 

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